RatgeberSchlank trotz Lipödem

Schlank trotz Lipödem - geht das?

Ein Lipödem muss nicht zwingend mit Übergewicht einhergehen. Obwohl das Bewusstsein für die Erkrankung in den letzten Jahren gewachsen ist, zeigt sich dennoch, dass Lipödem in vielen Fällen mit Übergewicht assoziiert wird. Es gibt jedoch auch schlanke Frauen, die von einem Lipödem betroffen sind und über starke Schmerzen in den Beinen klagen. Bei diesen Patientinnen vergeht oft viel Zeit, bis die richtige Diagnose gestellt wird, da sie nicht in das Schema einer Lipödem-Patientin passen.

Schlank trotz Lipödem

Lipödem bei schlanken Frauen erkennen

Die für ein Lipödem typischen Symptome treten auch bei schlanken Frauen auf. Zwar ist der Beinumfang oft (noch) gering, doch eine Diskrepanz zwischen Ober- und Unterkörper ist auch hier oftmals gegeben. Der obere Teil des Körpers erscheint sehr schmal und zierlich, wohingegen die Beine eher stämmig sind. Die Arme sind in einem frühen Stadium häufig noch nicht oder nur leicht betroffen. Schlanke Frauen können auf folgende Symptome achten, um ein Lipödem zu erkennen:

  • schwere, schmerzende und druckempfindliche Beine
  • geschwollene Beine nach langem Stehen
  • Wassereinlagerungen
  • Neigung zu blauen Flecken
  • Verhärtungen im Gewebe
  • dauerhaft kalte Beine

Normalgewicht oder Untergewicht schließen eine Lipödem-Erkrankung nicht grundsätzlich aus – der Body-Mass-Index ist demnach keine Kennzahl für oder gegen ein Lipödem. Eine frühe Diagnose ist für Betroffene wichtig, damit die Erkrankung frühzeitig behandelt werden kann.

Lipödem-Behandlung bei schlanken Frauen

Bei der Behandlung eines Lipödems steht vor allem die Linderung von Schmerzen für die Betroffenen im Vordergrund. Bei einer leichten Ausprägung helfen zunächst häufig konservative Behandlungen. Hierzu zählt die Manuelle Lymphdrainage, eine Kompressionstherapie sowie Bewegungstherapie. Diese Maßnahmen lindern vor allem die Problematik angeschwollener Beine und können die Ausbildung eines sekundären Lymphödems verhindern. Knotige Verhärtungen im Gewebe von Beinen und Armen werden damit jedoch nicht behandelt, es handelt sich vielmehr um eine Behandlung der Symptome.

Um das kranke Fettgewebe nachhaltig zu behandeln, kommt eine operative Fettabsaugung infrage. Dies gilt auch für schlanke Frauen mit Lipödem. Indem an Armen und Beinen das veränderte Fettgewebe entfernt wird, lassen Schmerzen und der Druck auf das umliegende Gewebe oftmals nach. Zudem kann eine Entwicklung des Lipödems hin zu Stadium II bzw. Stadium III oftmals unterbunden werden.

Eine eingehende Untersuchung und Beratung ist für betroffene Frauen mit Lipödem der erste Schritt hin zu einer individuellen Therapie und einer nachhaltigen Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden. Dabei ist es auf den ersten Blick nicht leicht, ein Lipödem bei sehr schlanken Frauen zu diagnostizieren. Im Lipödem Zentrum haben wir jedoch langjährige Erfahrung und können eine präzise Diagnose erstellen.

Was Sie selbst bei Lipödem tun können

Ein Lipödem heilt leider nicht von allein. Betroffene können jedoch einige Maßnahmen ergreifen. Zunächst hilft das regelmäßige Tragen der Kompressionsstrümpfe dabei, Schwellungen im Gewebe zu verhindern. Regelmäßiges Beine Hochlegen unterstützt diesen Prozess. Das Normalgewicht zu halten ist bei einem Lipödem sehr wichtig. Zwar reagieren die veränderten Fettzellen nicht auf Diät – zusätzliches Übergewicht kann jedoch sehr wohl entstehen und Beschwerden verstärken. Achten Sie darum auf gesunde Ernährung:

  • pflanzliche Fette und Öle bevorzugen
  • wenig Fleisch, Wurst & Käse
  • viel frisches Gemüse
  • Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Kost

Neben einer ausgewogenen Ernährung ist auch ausreichende Flüssigkeitszufuhr für den Körper wichtig. Zwei Liter Wasser oder ungesüßter Tee decken den Flüssigkeitsbedarf. Softdrinks & Co. sind eher zu meiden.

Sport trotzt Lipödem

Gerade schlanke Frauen mit Lipödem haben oftmals den Vorteil, dass der Beinumfang trotz der Erkrankung vergleichsweise klein ist. Sport ist darum oft sehr gut möglich. Zusätzlich zu gesunder Ernährung hilft Sport dabei, den Körper fit zu halten – außerdem wirkt sich sportliche Betätigung positiv auf die Psyche aus.

Wassersport ist nicht nur gelenkschonend, sondern wirkt wie eine kleine Lymphdrainage auf das Gewebe. Weitere günstige Sportarten sind etwa Trampolinspringen, Nordic Walking und Ausdauertraining auf dem Crosstrainer – hierbei werden die Arme gleich mit beansprucht. Spezielles Faszientraining kann den Lymphfluss zudem positiv beeinflussen.

Wichtig: Auch schlanke Frauen mit Lipödem sollten beim Sport Kompressionsstrümpfe tragen. Ausgenommen hiervon ist lediglich Wassersport.